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Samstag, 26. August 2023

"Die vergessene Kulturtechnik des Dösens im öffentlichen Raum"




Oh, über diese Formulierung habe ich sehr gelacht. Sie stand im Juli im "Spiegel", in einem Artikel über den Anachronismus von Freibädern daheim. Der ganze Artikel war witzig. Und passte zu meinen Gedanken, dass es doch nun, schon in der zweiten August-Hälfte, mal dringend an der Zeit wäre für noch ein bisschen "Sommer-Gefühl" - einfach so im Sinne von Strand, baden, sonnen.... Und da gerade kein Freibad zur Verfügung stand, ist es das "kirgisische Meer", wo ich mein Zelt gleich neben dem Strand aufschlagen konnte und mich in genau dieser "vergessenen Kulturtechnik" übe. Dösen. Nix-Tun. Rumlümmeln, auch mal ohne Buch, ohne Telefon, wachend träumen, gedankenlos, schauen - auf die Wellen, den Horizont, in die Wolken und zu dem, was all die anderen um mich rum so tun und auf den schönen Sonnenuntergang. Strand-Bühne und Ferien-Stimmung also ! Mal sehr schön für 1-2 Tage :-) Natürlich halte ich das nicht lange aus, erstens nicht ohne Buch und zweitens nicht ohne bewegen, v.a. wenn es gleich hinter dem kleinen Dorf zum "Märchen-Canyon" geht. Der heißt so, wegen der märchenhaften Formen all der Felsen dort... alles ein bisschen mysthisch. 

 



Huch,  plötzlich schon eine Ahnung von Herbst

Und es warten da noch andere Täler und Canyons, weiter hinten am See und in den Bergen die dort kommen... also geht es einfach weiter. Aber schön war das !




Sonntag, 20. August 2023

Qornim ochdi * Ачкамын * ма гуруснаам * Я голоднa * "Ich habe Hunger"

 ***Diesen Post hatte ich schon in Usbekistan begonnen, aber dann vergessen und nicht fertig gemacht ... und nun gibt es den endlich mal noch. ***

Genau, da fehlt doch mal noch der kleine Exkurs zum Thema - was essen die dort so ? Auf alle Fälle sehr viel Fleisch (Rind und Schaf; seltener Huhn, nie Schwein natürlich, weil muslimisch). Und auf alle Fälle schmeckt es fast immer. Das absolute Standart-Gericht in allen Ländern hier ist bisher schlicht und einfach "Plov" - Reis und Fleisch.

In so manchem der kleinen familiären Gästehäusern beginnt der Tag mit einem üppigen Frühstück  (leider nicht in jedem ). Spiegeleier bzw. Omelette sind mehr oder weniger immer dabei. Und mit Tee selbstverständlich .  Kaffee gibt es immer nur als Instant-Variante (oder gar nicht) , meine Vorräte sind derweil aufgebracht also arrangiere ich mich damit. Frisches Obst oder Gemüse ist auch eher selten auf dem Tisch .  Dafür ist fast immer was fritiertes /gebackenes dabei, mal mit, mal ohne Füllung.  Sitzt man privat wo mit am Tisch, ist es oft nur Brot, eine Schale Marmelade und eine Schale Sahne zum eintunken. Und hier in Kirgistan dann natürlich auch Kumus dazu. Oder auch mal Yak-Jogurt - je nachdem was für Tiere draußen vor der Tür grasen :-)

Eine besondere Variante war das private Frühstück in Tadschikistan - Butter-Tee und Brot.... ein gesalzener Milch-Tee, in den dann eben noch ein bisschen Butter kommt und da tunkt man das Brot ein, fertig... Ja, schmeckt so ungewöhnlich, wie es klingt.

Frühstück - in Samarkand

Wenn es einen nach etwas frischem gelüstet, geht man eben mal am Basar vorbei und deckt sich dort damit ein. Dort gibt es eine große Auswahl an sehr günstigem Obst, zur Zeit nach wie vor Unmengen von Melonen. Und auch auf jedem Basar fertige Salate, die sehr lecker sind.




 Einer der beliebtesten Snacks am Straßenrand, auch in allen Ländern hier, sind Samsas; im Ofen gebackene große Teigtaschen mit gewöhnlich Fleisch-Füllung (unschön, wenn es plötzlich Schaf ist, das mag ich nicht...), wenn man ein bisschen rumfragt, findet man auch mal welche mit Kartoffel- oder Kürbis-Füllung . Mit  gleichen Füllungen gibt es auch Manti, gedämpfte Teigtaschen. Lecker !

Samsa-Backstube

Samsas frisch aus dem Ofen

Manti

 An den Straßenständen - die ich ja prinzipiell und in allen Ländern sehr spannend finde - gibt es dann auch noch diverse Getränke, wie Kwas, Maksim, Chalap, Bozo - alles mit Getreide-Basis, manche sehen aus wie Milch, haben aber nichts damit zu tun. Kann man alles gut trinken, ist immer gut gekühlt und schmeckt. In den großen Städten gab es manchmal auch Ayran, was man im Kopf eher mit der Türkei verbindet.

Kwas-Verkäuferin in Usbekistan

Und etwas wovon ich vorher auch nie gehört hatte ist "Kurut". Als ich diese weißen Kügelchen/ Kugeln auf einem usbekischen Basar das erste Mal sah, hielt ich das für etwas Süßes und war überhaupt nicht interessiert. Erst hier in Kirgistan habe ich erfahren, dass das getrocknete Käse-Bällchen sind, aus Frischkäse, sehr salzig und oft mit einem sehr hefigen Beigeschmack und steinhart ... und auch nicht so mein Ding. Aber gibt es echt in jeder Ecke. 



...

Die Hauptspeisen für Mittag und Abend hatte ich schon mal erwähnt, als ich auf dem Hof mit den Kühen war und man versuchte, jeden Tag etwas besonderes zu kochen, damit ich ganz viele Gerichte kennenlerne. Lagman, kommt in der Beliebtheitsskala wohl direkt nach Plov - Nudeln mit Fleisch; ganz oft Schaschlyk, und alle möglichen Suppen, vieles was man auch aus der russischen Küche kennt, wie Bortscht und Pelmeni. 

Ayran & Plov

Plov

noch mal Plov

Lagman

Qurutob - tadschikische vegetarische Spezialität (unter dem Salat sind Brotstücke und saure Sahne)

in der Schüssel gab es Bortscht

Was es an Süßkram gibt, außer Eis an jeder Straßenecke, weiß ich gar nicht, das ist ja nicht so meins.... sicher aach mehr als genug.

Aber auch bei uns gängiges Fast-Food findet man hier; Pizza, Burger, Hot-Dogs, Pommes - das bekommt man ja inzwischen wohl wirklich fast auf der ganzen Welt. Aber das ess ich fast nie...


 Also hier verhungert man nicht, und selbst als Vegetarier kann man sich eigentlich gut durchschlagen - nur sehr schwierig, wenn man bei Familien eingeladen wird. Ich freue mich nach all den Monaten aber nun auch, wenn es eine Küche im Gästehaus gibt, und ich mir auch einfach mal selbst etwas kochen kann - Kartoffeln vor allem, die kommen mir hier zu kurz :-) und auch einfach mal etwas ohne Fleisch ! 

Tafel bei Ular´s Familie (der Hof mit den Kühen), fürs Familienfest

 

So,dass war´s zu diesem Thema - und was auch immer heute bei Euch auf den Tisch kommt "Lasst es Euch schmecken ! приятного аппетита !"




Samstag, 19. August 2023

Wohltat

 



da mittendrin stand mein Zelt

 

Da ich ja zur Zeit mit Eindrücken eher übersättigt bin, habe ich einfach noch einmal die gleiche Wanderung gemacht wie schon im Juni, nur länger. Eldiar und seine Familie habe ich nicht noch einmal getroffen - er und die anderen Bauern aus dem Tal sind im Juli mit ihren Tieren zu anderen Weidegründen weiter gezogen. Das hatten sie mir schon vorab erzählt. Das Tal war völlig leer - abgesehen von den dicken Murmeltieren. Der See Köl Ukök war so schön wie beim letzten Besuch und sieht ja nach Licht und Wetter immer etwas anders aus. Und diesmal bin ich auch noch ein Stück weiter gewandert und habe es einfach genossen, draußen und im Nirgendwo zu sein. 4 sehr schöne Tage, auch wenn das Wetter nicht nur schön war.

am 3. Tag rollte ein großes Gewitter über die Berge hinweg, oben gab es Schnee... ich lag lesend im Schlafsack


Abendstimmung am See

Und heute packte ich am Morgen, bei Eiseskälte, alles wieder zusammen und trat den langen Rückweg an. Und liege nun mit Muskelkater aber zufrieden im Bett im Gästehaus. Gute Nacht !



Samstag, 12. August 2023

Die Ziegen- & Chaos--Tage II

 


Wieder in Kirgistan jetzt ! Und ganz spontan für eine Woche noch einmal bei Umut auf dem Ziegenhof. Sie fragte so vor zwei-drei Wochen mal an, ob ich vielleicht noch mal helfen kommrn würde, da sagte ich noch "Nein, andere Pläne.". Aber nachdem Anja und Sascha abgereist waren (das Wieder-Alleine-Sein war natürlich erst mal komisch !, ich wäre ja gern für einen Kurzbesuch mit nach Hause geflogen) und ich so die Tage verdümpelte, erst in Dushanbe und danach in Almaty hatte ich plötzlich so das Gefühl, ich könnte mal wieder was "Sinnvolles" machen. Nur der Tourist zu sein, ist auf Dauer ja gar nicht so mein Ding und wahrscheinlich war ich für den Moment auch einfach "satt" von all den Eindrücken und Erlebnissen der letzten Wochen. Das ließ ich mir auf der Busfahrt zurück nach Kirgistan noch ein bisschen durch den Sinn gehen und abends schrieb ich Umut und fragte, was sie davon hält, wenn ich am nächsten Tag für eine Woche vorbei komme. JA !!! - war die Antwort. Hier auf dem Hof geht es gerade noch mehr drunter und drüber als beim letzten Mal. Der Arbeiter ist nämlich weg und zwar ein 18-jähriger Junge zum helfen da, aber mit noch nicht viel Ziegen-Erfahrung und er kann sich ja auch nicht zerteilen. Nun melke ich gerade am Morgen und Abend die Ziegen, er füttert derweil, danach füttern wir gemeinsam die Baby-Gruppe und putzen und schleppen endlos Wasser (es ist ja heiß... und der Schlauch reicht nicht zu jeder Gruppe). Und fast jeden Tag passiert zwischendrin irgendetwas und macht alles komplizierter. Der Bock bricht aus und zertrümmert irgendwas, die Jugend-Gruppe bricht aus ihrem Gehege aus und stürmt den Garten - oder noch besser den des Nachbarn, die eine oder andere Ziege versucht vom Melkstand zu verschwinden (es gibt hier kein Fressgitter zum fixieren), der Strom fällt aus und wir melken dann per Hand; oder die Kinder wollen etwas helfen und der ganze Stall dröhnt von ihrem Gebrüll, was nicht nur die Ziegen sondern auch mich sehr geereizt macht... aber dieses Chaos gibt es fast nur am Abend, die Morgen-Runde ist noch angenehm still und relaxed für alle. Weil außer mir und dem Jungen Beka halb/um 6 alle noch schlafen.

Jetzt bin ich gerade erst seit Montag hier und schon ziemlich kaputt und müde und von oben bis unten voller blauer Flecke und Kratzer. Die Kratzer aber von den Abenteuer-Touren mit dem Hund, der Kleine lebt nach wie vor an der 1-m-Kette und hat wieder Luxus-Woche, und wir kriechen durch viel Gebüsch, damit ich schöne abgelegene Plätze finde am Fluss, wo er dann mal völlig frei rumtoben kann und baden. Mit dem Hund gemeinsam vergehen meine freien Stunden. Die blauen Flecke gibt es nebenher im Stall, ausgerutscht und hingeflogen, angestoßen, einegeklemmt, Horn oder Fuß abgekriegt etc. Und trotzdem macht es Spaß. Manchmal bin ich genervt, so ein Chaos im  Stall habe ich echt nirgendwo erlebt bisher. Aber auch Umut kann sich schlecht auf eine Sache konzentrieren, ihr Mann arbeitet in Usbekistan und sie hat zwei kleine Kinder, die immer was wollen und ein Telefon, was regelmäßig piept. Und on top kam dann noch Familienbesuch dieser Tage, die auch Aufmerksamkeit einforderten.... heute sind sie abgereist und alles läuft nun sicher etwas ruhiger.

Und ich reise in zwei Tagen auch wieder ab und komme vielleicht Ende September noch einmal. Jetzt will ich dannwieder in die Berge.



Samstag, 5. August 2023

Stippvisite in Kasachstan

der Palast der Republik in Almaty

 Da denkt man, diese Länder hier haben mit uns nichts zu tun und die meisten wüssten gar nicht, wo sie auf dem Atlas zu finden sind - weit gefehlt, im Januar und Februar diesen Jahres z.B. fanden in München und Hamburg deutsch-kasachische Wirtschaftstreffen statt... Eine deutsch-kasachische Universität habe ich hier in Almaty auch entdeckt. Und immer wieder erzählt jemand von Familienmitgliedern, die in Deutschland arbeiten.



Für mich ist das nur ein kurzer Zwischenstopp. Ursprünglich wollte ich jetzt einen Monat Kasachstan erleben und erkunden, aber da es mir in Kirgistan sooo gut gefallen hat, fahre ich nun doch lieber dorthin zurück, bevor es in den großen Bergen schon wieder beginnt zu schneien. Das Projekt "Kasachstan" ist auf den "Sankt-Nimmerleins-Tag" verschoben, wer weiß.... dieses Mal passt es jedenfalls nicht mehr in den Plan. Das ich nun mal Almaty gessehen habe, sei hier einfach nur so der Vollständigkeit halber erwähnt. Sehr europäisch hier, eine angenehme Stadt - zumindest das Zentrum. Almaty ist riesig, ich habe ja sozusagen fast nix gesehen. Auch hier viel zu heiß, wenn auch vielleicht 5 Grad weniger als gerade eben noch in Dushanbe.

Morgen früh geht es schon wieder zum Busbahnhof und nach Bischkek, der kirgisiscchen Hauptstadt; nur einen Katztensprung entfernt.

Mahnmal für die Opfer des 2. Weltkrieges


gleich am Rande der Stadt

PS, Nachtrag: Da habe ich gerade dieser Tage noch mit Freundin Daniela, die als digitaler Nomade durch die Welt tingelt, über die anstrengenden, oft nervenden Taxifahrer in aller Welt geschrieben, überall versucht man aus den Touristen soviel wie geht, herauszuholen - und hier wurde ich von der Taxifahrin, die mich zum Busterminal fuhr, plötzlich eingeladen ! Das ist mir wirklich auch noch nie passiert ! "Lass mal, Du bist eingeladen, Du hast vielleicht weniger als ich. " Da war ich sehr verwundert - bezahlt hab ich aber trotzdem.

Mittwoch, 2. August 2023

Abgesang

 




Och, und nun sind sie weg die beiden. Es ist doof so für die ersten Tage, plötzlich wieder alleine unterwegs zu sein. Und da ich meine Weiterreise schon vorab buchte und nicht alles ändern wollte, hatte ich nun noch 5 Tage alleine hier. Und in Dushanbe war es mit 45+ Grad definitiv zu heiß. Da hätte ich nie aus dem klimatisierten Hostel heraus gewollt. Also doch lieber noch mal in die Berge. Und es muss nicht tiefster Pamir sein, auch um die Stadt stehen genügend Berge rum. Also auf zum Terminal, das richtige Sammeltaxi suchen und los (nur mit der Campingausrüstung und Proviant, den Rest in Dushanbe "geparkt") zum Iskander-Kul (See). Und was passiert da ? Es REGNET ! Was für eine Überraschung ! Und auch volle Kanne. Sehr schön, nach der Hitze. Bei einem Gästehaus danach mein Zelt aufgeschlagen und einen Tag einfach gemütlich rumgehangen und ein Buch verschlungen. Wandern wollte ich eigentlich ebenfalls, aber da war es schon wieder zu heiß. Das versuchte ich dann woanders, auf dem Rückweg zur Stadt noch einmal - aber bei ca. 40 Grad, mit Rucksack, schattenlos, bergauf zu wandern ist einfach nur bescheuert ! Abgebrochen, am Fluss rumgehangen und zum Dorf zurück. Mit Kreislaufproblemen fast aus den Latschen gekipppt.... 



 

Nun wieder in der Stadt und morgen auf zu neuen Ufern ! Falls ich noch mal im Leben nach Dushanbe kommen sollte, dann bitte keinesfalls im Hochsommer !