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Freitag, 22. September 2023

Abschied

 


Nun ist wirklich Schluss hier in Kirgistan und große Wehmut macht sich gerade breit .  Das ist wirklich ein Land nach meinem Geschmack  (naja,  nicht alles, aber vieles)!  Und wer weiß schon, ob und wann man wiederkommt und wie das Leben so spielt. ... ich hoffe doch, hier bin ich bald mal wieder  !



Die letzten Tage gab es wie erwähnt noch einmal mitarbeiten auf dem Ziegenhof.  Jeden Morgen bimmelte halb 6 der Wecker, Kaffee und Zigarette und den Hund wieder anleinen  (mein kleiner Kumpel durfte, wie schon im August, wenigstens jede Nacht frei rumlaufen, heimlich ) und ab in den Stall zum Ziegen melken und füttern.  Das mochte ich - in Stille und Ruhe, alle anderen noch im Bett und draußen wird es nebenher hell. Und abends die gleiche Runde noch einmal,  während es draußen finster wurde. Die letzten beiden Tage gab es ein für mich gänzlich unerwartetes Extra'Programm. Ich sollte dem neuen Arbeiter zeigen,/ erklären  wie das morgens und abends alles so läuft. Haha... auf russisch.  Fand ich gar nicht gut und auch nicht meine Aufgabe - aber letztlich war es ziemlich lustig.  

Herbst -Spaziergang

Familie ausgeflogen und dafür Hunde-Spass ohne Kette

Aber der Hauptgrund, weshalb ich entschied, nochmal dort Station zu machen, war der Hund, der sein Leben dort an der Kette fristet.  Er sollte es noch mal richtig schön haben. Hatte er ! Stundenlang durch die Gegend stromern ,  rum toben, kuscheln. Und nun sind wir alle beide traurig..  Er an seiner Kette und ich hier. Es ist mir nicht gelungen, die Familie zu überzeugen, ihn (zeitweise) frei laufen zu lassen. Aber eine Laufleine gibt es seit Dienstag , was seinen Bewegungs-Spielraum ein kleines bisschen erweitert.  Aber kaum ein Trost. Auch kaum ein Trost, dass es hier wohl jedem 2. Hund so geht. Das er nachts frei rumlaufen durfte, habe ich "gebeichtet " - eventuell darf er das nun weiterhin.... aber wer weiß, vielleicht sollte diese Aussage nur mich beruhigen.

Und wie man auf den Bildern sieht - es gibt noch einen neuen Hund.  

Das ist nun wirklich nicht Sinn und Zweck des Voluntär-Daseins , daß man sich danach schlecht fühlt.



In ein paar Stunden  startet mein Bus, quer durch die Nacht und nach Taschkent, von dort gleich noch ein paar Stunden mit dem Zug weiter - um hoffentlich nach ca. 24 Stunden insgesamt in Samarkand zu abend zu essen. Ich finde,  das klingt nach einem guten Programm :-). Euch allen einen schönen Start ins Wochenende und Grüße von weit weg  ! 

PS: Diese Meldung verbreitete sich dieser Tage hier wie ein Lauffeuer in der Presse und den sozialen Netzwerken -Italien will 100 kirgisische Schäfer anwerben und mit ihren Familien auf der Insel Sardinien ansiedeln, um die Landwirtschaft dort wiederzubeleben....

PS2:  Und was ich auch noch gar nicht erwähnt habe, obwohl es schon oft auffiel - in fast allen günstigen Gästehäusern hier leben (und arbeiten online) junge Männer aus Russland, die wegen des Krieges ihr Land verlassen haben. Oft sitzen Frau und Kinder noch daheim.





Donnerstag, 14. September 2023

Scheker - Tschingis Aitmatow 's Dorf

 


dieses Jahr wäre sein 95. Geburtstag

Vermutlich würde kein fremder Mensch in diesem verschlafenen Dorf vorbei kommen, wäre nicht genau hier 1928 der mit Sicherheit bekannteste Schriftsteller des Landes geboren worden - eine Ikone schon zu Lebzeiten. Und hätten die Bewohner nicht ihm zu Ehren vor Jahren ein Museum eröffnet. Das wollte ich mir auch nicht entgehen lassen, wenn ich nun schon mal hier im Land bin. Tschingis Aitmatov. seine Novelle "Dschamila" lasen wir schon in der Schule. Tatsächlich ist er auch jetzt noch der einzige kirgisische Autor, den ich überhaupt kenne. 


unser Alpabzug in der Schweiz war auf jeden Fall idyllischer... aber an diesem Pass war neben der Straße absolut kein Platz mehr...

 Es war eine sehr lange, aber auch schöne Fahrt durch das halbe Land. Als ich hier ankam im Mai zogen die ersten Tiere nach oben in die Berge, auf die endlosen Hochebenen und die ersten Jurten wurden aufgebaut, jetzt ist die Saison schon wieder vorbei und große Herden Pferde, Schafe, Kühe werden wieder hinab in die Dörfer getrieben, Jurten abgebaut, Wohnwagen abtransportiert... Man kommt nicht bis nach Scheker mit dem Marschrutka, öffentlichen Transport gibt es nur bis in eine noch 40 km entfernte Kleinstadt. Dort wurde ich relativ schnell von einem Herrn angesprochen, der nach dem "Wohin ?" fragte - und sich dann lustigerweise als der Museumsdirektor von Scheker vorstellte und er und seine Frau nahmen mich sofort unter ihre Fittiche und letztlich auch gleich mit nach Hause, wo ich für einen sehr symbolischen Betrag übernachten durfte und Vollverpflegung bekam und Rund-um-Betreuung :-) Die ganze Familie, inkl. der 90-jährigen Babuschka, hatten offensichtlich Freude an Besuch. Und so ging es am nächsten Tag zusammen mit Zamat zum Museum (und ich wurde in jeder Ecke fotografiert für die Museumschronik), hauptsächlich gab es viele Fotos und ein paar Utensilien des großen Stars des Dorfes zu begucken. In einer anderen Ecke gibt es noch einen kleinen Skulpturen-Park, die Steine standen eher wie fallen gelassen zwischen ein paar Bäumen und stellten verschiedene Roman-Figuren Aitmatovs dar. 




eine Bibliothek gab es ebenfalls - mit Büchern von z.B. Breschnew aus den 70-ern... länger "durfte" ich nicht gucken, da ging die Führung weiter :-)

bitte auch etwas in unser Gästebuch schreiben !


die Plastik zu Dschamila


So lange hat das Anschauen all dessen nicht gedauert, die restliche Zeit schlenderte ich durch die Gegend und lies mich dann am Fluß nieder zum lesen. Lustigerweise sah es um mich rum plötzlich aus wie in der Puszta. Theoretisch hätte es auch hier Berge, aber die Sicht war so trübe, dass alles nach Flachland aussah, sandig, staubig. 


nix los hier


 Am Abend dann wieder holperige Kommunikation und worüber ich mit Aigyl, Zamats Frau, am allermeisten lachen musste war das Kinderlied "Пусть всегда будет солнце" - wir lernten das im Russich-Unterricht und ein paar Brocken weiß ich noch - und sie lernten nämlich früher hier deutsch in der Schule (und wussten fast kein Wort mehr) und dabei lernten sie genau dieses Lied, aber eben auf deutsch... ich hatte den deutschen Text, glaube ich, noch nie gehört - und so trällerten wir eine Weile lustig vor uns hin, mit viel "lalala" dazwischen, wo uns der Text entfallen war. Die Oma zeigte mir kichernd ihre "Jugendsünde", eine ziemlich große Herzchen-Tätowierung am Arm von vor über 60 Jahren und war sehr interessiert an meinem Körperschmuck :-) Wir hatten es also ganz schön lustig ! Und gestern früh wurde ein Auto für mich organisiert, das mich wieder bis zum Bus brachte und die lange Fahrt ging wieder zurück bis zur Hauptstadt. Morgen geht´s noch mal ein paar Tage zu den Ziegen ! Danach ist meine Zeit hier leider rum. Ich werde schon wehmütig ...

Sonntag, 10. September 2023

Schnurstracks


Da lag man gerade noch gemütlich in der Sonne am Strand rum und dann plötzlich Schneeregen bis ins Dorf... brrr, Ende August... na dann nix wie ab und noch ein bisschen durch die Berge laufen, bevor die gute Zeit vorbei ist. Der Schnee blieb natürlich nicht liegen und das Wetter war eher eine Eintags-Fliege. Mehr so die Ermahnung, dass der Herbst kommt. Und so gab es in verschiedenen Ecken, aber alle im Osten des Landes, kurz vor der chinesischen Grenze, noch Wandertage und wunderschöne Anblicke und prima Nächte im Zelt. 

 







Überraschung beim Picknick am Bach

Sehr schön und ohne besondere Vorkommnisse; aber auch hier mal wieder lustige Begebenheiten - so hielten vergange Woche mal plötzlich zwei Frauen - Kirgisinnen - mit ihrem Auto neben mir und wollten wisssen, woher ich komme und erzählten dann, dass sie in Königswusterhausen und Falkenhain aufgewachsen sind. Ihr Vater war bei der Roten Armee und in der DDR stationiert.