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Mittwoch, 11. Oktober 2023

Das Glück liegt hinterm Horizont - Auf nach Sary Mogul

 




Dieses Dorf hatte ich auch in den letzten Monaten öfter im Kopf, aber es ist so abgelegen, dass ich eine Fahrt dahin jedes Mal verworfen hatte. Ganz im Süden Kirgistans, kurz neben der tadschikischen Grenze. Bekannt ist es, weil sich dort in der Nähe das Basis-Lager für die Besteigungen des Siebentausenders Pik Lenin befindet. Ein Highlight hier für Bergsteiger. Also nicht für mich J. Am Rande des Pamir-Gebirges. Nun hatte ich aber die Grenze im Süden überquert und plötzlich war der Weg gar nicht so weit. Also noch dorthin für die letzten Tage ! Bereits an der Busstation neben dem Basar der Stadt Osh fiel auf, dass das wohl eine etwas andere Tour wird und es wirklich in abgelegenen Gegenden geht. Noch nie wurde ein Bus hier so vollgestopft und beladen – mit Taschen, Beuteln, Kisten, Kartons, Säcken, Holzbrettern, Motorteilen, etc., ich fühlte mich sehr an Bolivien erinnert und die Fahrten dort in den Busch. Als wirklich kein Millimeter mehr frei war, ging es los, erst durch schöne Hügel, Berge, über zwei Pässe, der erste Schnee – und dann nach ein paar Stunden, erreichten wir die Hochebene, in der auch Sary Mogul liegt. Wie ein großer Teller, eingefasst von gigantischen Bergen – der Kette des Alay-Gebirges und eben des Pamirs, bereits tief verschneit. Was für Anblicke bereits von der Passhöhe ! Cool !!! In zwei Dörfern wurden Leute und Gepäck ausgeladen, ein paar Arbeiter steigen noch zu und beim Dunkelwerden erreichten wir Sary Mogul. Etwas über fünftausend Menschen leben hier auf knapp 3000 Metern Höhe. Kleine Häuschen und Ställe am Fuße der Alay-Berge, der Wind pfeift und nachts schon klirrend kalt. 




 Die Zeit der Touristen, Wanderer und Bergsteiger ist schon zu Ende. Ich hatte ein Zimmer bei einer Familie, dort fühlte ich mich zwar hin und wieder als störe ich die beginnende Winterruhe, aber wenigstens beim Frühstück gab es interessante kleine Unterhaltungen.  Bayish (Lehrerin für kirgisische Sprache und Literatur) erzählte z.B., dass ihr Mann für Monate in Europa arbeitet, in Polen und dort in einer Fabrik Pilze verpackt, zusammen mit noch einer Handvoll Männer aus dem Dorf … ihre zwei Söhne sind irgendwo in einer Koran-Schule. Sie ist mit den beiden Töchtern alleine. Als ich nachfragte, ob sie selbst auch gern wandern gehen in diesen irren Bergen, hat sie herzhaft gelacht – oh nein ! nur mit dem Auto. Na also ich wanderte mit Begeisterung, immer auf den Pamir zu. Leider sind die Berge, die so nah aussehen, doch über 20 km vom Dorf entfernt, aber es war trotzdem sehr schön, auch wenn ich nicht bis richtig ran kam. Und obwohl alles längst so kahl und trocken ist, weideten noch immer Tiere. Keine Ahnung, von was die satt werden sollten. Ich fand meine zwei Wandertage herrlich – ein Hochgenuß für die Augen und noch mal eine Herausforderung für die Füße ! - und verbrannte mir dank der Höhensonne auch noch schön das Gesicht. 





Und gestern morgen, halb 8, kurz nach Sonnenaufgang und um die Null Grad, sammelte mich das Marschrutka (der kleine Bus) vorm Gästehaus wieder ein und tuckerte dann gemütlich Kreise durchs Dorf, um Hinz und Kunz zu Hause abzuholen, unglaublich – der eine oder andere hatte wohl verschlafen oder war noch nicht fertig mit melken oder musste noch mal fix aufs Klo; einer stieg auch noch mal aus vor seinem Haus, es dauerte und dauerte, aber das störte überhaupt niemanden, in Decken gewickelte Omas hockten kichernd im Bus, Paare mit verschlafenen kleinen Kindern, alte Männer mit diesen typisch kirgisischen Filzhüten, verfrorene Frauen mit Kopftüchern…zwei, drei kleine Klapphocker wurden in den schmalen Gang gezwängt, damit noch jemand Platz fand; es wurde palavert, gelacht, die Stimmung war schlicht und einfach vergnügt und vermutlich ist diese Prozedur jeden Tag die gleiche, es ist der täglich einzige Bus in die über 200 km entfernte Stadt Osh, in die man einfach muss, wenn man etwas benötigt, was es im Dorf nicht gibt. Nach genau 37 Minuten fuhr der Bus zum zweiten Mal am Gästehaus vorbei und aus dem Dorf hinaus J Man stelle sich das zu Hause vor und was es für ein Gezeter gäbe….





  Über die Hochebene, vorbei an vielen grasenden Kühen, Pferden, Schafen und noch mal Yaks, wieder den Pass hoch, letzter Blick zurück auf den Pamir… und am Mittag erreichten wir Osh und es war mindestens 10 Grad wärmer, alle Jacken und Pullover ausgezogen und alle stürmten zum Basar und ich trottete mit meinem schweren Rucksack zum Hostel und nun schlendere ich auch mal über den Basar ! Ende der Woche geht es dann wieder nach Usbekistan, zum Zug und zurück nach Samarkand, ab dort geht’s dann nach Europa. Eine Woche noch… diese unglaubliche Natur hier werde ich sehr vermissen, aber ich freu mich wie verrückt auf Euch alle !!!

Sonntag, 8. Oktober 2023

Und Sonntagsbilder

 Auch heute mangelte es an Grün, aber was für Anblicke ! Pamir-Kulisse noch einmal. 


Der Siebentausender um den es hier eigentlich geht, der Pik Lenin, hüllte sich leider fast die ganze Zeit elegant in Wolken. Vielleicht habe ich morgen Glück.



Vor 2 Monaten hätte man hier sicher prima zelten und dann weiter wandern können.  Nun sind  nachts eher null Grad und darunter.  Deshalb doch lieber Bett im Dorf neben dem warmen (dank getrockneter Kuh-Kacke und ein paar Kohle-Krümeln) Ofen. 

Da mittendrin steht ein Bett für mich

Ein schöner Wandertag war es wieder. Und nun bin ich kaputt und hundemüde.  Nur noch unter die Dusche und dann Gute Nacht  ! 

                        ****

Nachtrag  vom Montag - ja, ich hatte Glück  ! Und wie !




Sonntag, 20. August 2023

Qornim ochdi * Ачкамын * ма гуруснаам * Я голоднa * "Ich habe Hunger"

 ***Diesen Post hatte ich schon in Usbekistan begonnen, aber dann vergessen und nicht fertig gemacht ... und nun gibt es den endlich mal noch. ***

Genau, da fehlt doch mal noch der kleine Exkurs zum Thema - was essen die dort so ? Auf alle Fälle sehr viel Fleisch (Rind und Schaf; seltener Huhn, nie Schwein natürlich, weil muslimisch). Und auf alle Fälle schmeckt es fast immer. Das absolute Standart-Gericht in allen Ländern hier ist bisher schlicht und einfach "Plov" - Reis und Fleisch.

In so manchem der kleinen familiären Gästehäusern beginnt der Tag mit einem üppigen Frühstück  (leider nicht in jedem ). Spiegeleier bzw. Omelette sind mehr oder weniger immer dabei. Und mit Tee selbstverständlich .  Kaffee gibt es immer nur als Instant-Variante (oder gar nicht) , meine Vorräte sind derweil aufgebracht also arrangiere ich mich damit. Frisches Obst oder Gemüse ist auch eher selten auf dem Tisch .  Dafür ist fast immer was fritiertes /gebackenes dabei, mal mit, mal ohne Füllung.  Sitzt man privat wo mit am Tisch, ist es oft nur Brot, eine Schale Marmelade und eine Schale Sahne zum eintunken. Und hier in Kirgistan dann natürlich auch Kumus dazu. Oder auch mal Yak-Jogurt - je nachdem was für Tiere draußen vor der Tür grasen :-)

Eine besondere Variante war das private Frühstück in Tadschikistan - Butter-Tee und Brot.... ein gesalzener Milch-Tee, in den dann eben noch ein bisschen Butter kommt und da tunkt man das Brot ein, fertig... Ja, schmeckt so ungewöhnlich, wie es klingt.

Frühstück - in Samarkand

Wenn es einen nach etwas frischem gelüstet, geht man eben mal am Basar vorbei und deckt sich dort damit ein. Dort gibt es eine große Auswahl an sehr günstigem Obst, zur Zeit nach wie vor Unmengen von Melonen. Und auch auf jedem Basar fertige Salate, die sehr lecker sind.




 Einer der beliebtesten Snacks am Straßenrand, auch in allen Ländern hier, sind Samsas; im Ofen gebackene große Teigtaschen mit gewöhnlich Fleisch-Füllung (unschön, wenn es plötzlich Schaf ist, das mag ich nicht...), wenn man ein bisschen rumfragt, findet man auch mal welche mit Kartoffel- oder Kürbis-Füllung . Mit  gleichen Füllungen gibt es auch Manti, gedämpfte Teigtaschen. Lecker !

Samsa-Backstube

Samsas frisch aus dem Ofen

Manti

 An den Straßenständen - die ich ja prinzipiell und in allen Ländern sehr spannend finde - gibt es dann auch noch diverse Getränke, wie Kwas, Maksim, Chalap, Bozo - alles mit Getreide-Basis, manche sehen aus wie Milch, haben aber nichts damit zu tun. Kann man alles gut trinken, ist immer gut gekühlt und schmeckt. In den großen Städten gab es manchmal auch Ayran, was man im Kopf eher mit der Türkei verbindet.

Kwas-Verkäuferin in Usbekistan

Und etwas wovon ich vorher auch nie gehört hatte ist "Kurut". Als ich diese weißen Kügelchen/ Kugeln auf einem usbekischen Basar das erste Mal sah, hielt ich das für etwas Süßes und war überhaupt nicht interessiert. Erst hier in Kirgistan habe ich erfahren, dass das getrocknete Käse-Bällchen sind, aus Frischkäse, sehr salzig und oft mit einem sehr hefigen Beigeschmack und steinhart ... und auch nicht so mein Ding. Aber gibt es echt in jeder Ecke. 



...

Die Hauptspeisen für Mittag und Abend hatte ich schon mal erwähnt, als ich auf dem Hof mit den Kühen war und man versuchte, jeden Tag etwas besonderes zu kochen, damit ich ganz viele Gerichte kennenlerne. Lagman, kommt in der Beliebtheitsskala wohl direkt nach Plov - Nudeln mit Fleisch; ganz oft Schaschlyk, und alle möglichen Suppen, vieles was man auch aus der russischen Küche kennt, wie Bortscht und Pelmeni. 

Ayran & Plov

Plov

noch mal Plov

Lagman

Qurutob - tadschikische vegetarische Spezialität (unter dem Salat sind Brotstücke und saure Sahne)

in der Schüssel gab es Bortscht

Was es an Süßkram gibt, außer Eis an jeder Straßenecke, weiß ich gar nicht, das ist ja nicht so meins.... sicher aach mehr als genug.

Aber auch bei uns gängiges Fast-Food findet man hier; Pizza, Burger, Hot-Dogs, Pommes - das bekommt man ja inzwischen wohl wirklich fast auf der ganzen Welt. Aber das ess ich fast nie...


 Also hier verhungert man nicht, und selbst als Vegetarier kann man sich eigentlich gut durchschlagen - nur sehr schwierig, wenn man bei Familien eingeladen wird. Ich freue mich nach all den Monaten aber nun auch, wenn es eine Küche im Gästehaus gibt, und ich mir auch einfach mal selbst etwas kochen kann - Kartoffeln vor allem, die kommen mir hier zu kurz :-) und auch einfach mal etwas ohne Fleisch ! 

Tafel bei Ular´s Familie (der Hof mit den Kühen), fürs Familienfest

 

So,dass war´s zu diesem Thema - und was auch immer heute bei Euch auf den Tisch kommt "Lasst es Euch schmecken ! приятного аппетита !"




Dienstag, 1. August 2023

"Wir haben hier ein gutes Leben ! "


 Das erzählte uns dieser alte Herr (oben auf dem Bild zwischen uns), den wir unterwegs mitnahmen. Später sagten das auch andere. Wir schauten öfter sehr entsetzt auf diese karge, bergige Landschaft rundherum und malten uns den Alltag hier als sehr hart, mühselig und anstrengend aus - eigentlich erschien es uns oft, als könnte man hier überhaupt nicht (über-)leben - aber er meinte eben, dass es den Leuten hier doch gut gehe. Der ganze Tag dreht sich um das Wohlergehen der Tiere und des Gartens, weil all diese Erzeugnisse dann lebensnotwendig sind.  Und er erzählte auch darüber, wie früher - als er jung war - das Zusammenleben der Pamiri und der Afghanen war, immer hin und her über den Fluss. Inzwischen gibt es keinerlei Zusammenleben mehr."Gibt es keine Kontakte, gibt es auch keine Probleme..."

Hier gibt es nun einfach noch ein paar Bilder (ich habe natürlich massenhaft Bilder gemacht und da fällt die Auswahl mal wieder sehr schwer):




Picknick mit deutschem Rad-Touristen

an der Grenze


Kuhmist wird allerorten als wertvoller Brennstoff gesammelt




da ging es früher mal lang











unterwegs bei welchen den Reserve-Sprit-Kanister abkaufen



Lenin wird saniert

überall so viel Wasser und so wenig Grün



das erste Auto das den Pamir "bezwang" 1933