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Samstag, 12. August 2023

Die Ziegen- & Chaos--Tage II

 


Wieder in Kirgistan jetzt ! Und ganz spontan für eine Woche noch einmal bei Umut auf dem Ziegenhof. Sie fragte so vor zwei-drei Wochen mal an, ob ich vielleicht noch mal helfen kommrn würde, da sagte ich noch "Nein, andere Pläne.". Aber nachdem Anja und Sascha abgereist waren (das Wieder-Alleine-Sein war natürlich erst mal komisch !, ich wäre ja gern für einen Kurzbesuch mit nach Hause geflogen) und ich so die Tage verdümpelte, erst in Dushanbe und danach in Almaty hatte ich plötzlich so das Gefühl, ich könnte mal wieder was "Sinnvolles" machen. Nur der Tourist zu sein, ist auf Dauer ja gar nicht so mein Ding und wahrscheinlich war ich für den Moment auch einfach "satt" von all den Eindrücken und Erlebnissen der letzten Wochen. Das ließ ich mir auf der Busfahrt zurück nach Kirgistan noch ein bisschen durch den Sinn gehen und abends schrieb ich Umut und fragte, was sie davon hält, wenn ich am nächsten Tag für eine Woche vorbei komme. JA !!! - war die Antwort. Hier auf dem Hof geht es gerade noch mehr drunter und drüber als beim letzten Mal. Der Arbeiter ist nämlich weg und zwar ein 18-jähriger Junge zum helfen da, aber mit noch nicht viel Ziegen-Erfahrung und er kann sich ja auch nicht zerteilen. Nun melke ich gerade am Morgen und Abend die Ziegen, er füttert derweil, danach füttern wir gemeinsam die Baby-Gruppe und putzen und schleppen endlos Wasser (es ist ja heiß... und der Schlauch reicht nicht zu jeder Gruppe). Und fast jeden Tag passiert zwischendrin irgendetwas und macht alles komplizierter. Der Bock bricht aus und zertrümmert irgendwas, die Jugend-Gruppe bricht aus ihrem Gehege aus und stürmt den Garten - oder noch besser den des Nachbarn, die eine oder andere Ziege versucht vom Melkstand zu verschwinden (es gibt hier kein Fressgitter zum fixieren), der Strom fällt aus und wir melken dann per Hand; oder die Kinder wollen etwas helfen und der ganze Stall dröhnt von ihrem Gebrüll, was nicht nur die Ziegen sondern auch mich sehr geereizt macht... aber dieses Chaos gibt es fast nur am Abend, die Morgen-Runde ist noch angenehm still und relaxed für alle. Weil außer mir und dem Jungen Beka halb/um 6 alle noch schlafen.

Jetzt bin ich gerade erst seit Montag hier und schon ziemlich kaputt und müde und von oben bis unten voller blauer Flecke und Kratzer. Die Kratzer aber von den Abenteuer-Touren mit dem Hund, der Kleine lebt nach wie vor an der 1-m-Kette und hat wieder Luxus-Woche, und wir kriechen durch viel Gebüsch, damit ich schöne abgelegene Plätze finde am Fluss, wo er dann mal völlig frei rumtoben kann und baden. Mit dem Hund gemeinsam vergehen meine freien Stunden. Die blauen Flecke gibt es nebenher im Stall, ausgerutscht und hingeflogen, angestoßen, einegeklemmt, Horn oder Fuß abgekriegt etc. Und trotzdem macht es Spaß. Manchmal bin ich genervt, so ein Chaos im  Stall habe ich echt nirgendwo erlebt bisher. Aber auch Umut kann sich schlecht auf eine Sache konzentrieren, ihr Mann arbeitet in Usbekistan und sie hat zwei kleine Kinder, die immer was wollen und ein Telefon, was regelmäßig piept. Und on top kam dann noch Familienbesuch dieser Tage, die auch Aufmerksamkeit einforderten.... heute sind sie abgereist und alles läuft nun sicher etwas ruhiger.

Und ich reise in zwei Tagen auch wieder ab und komme vielleicht Ende September noch einmal. Jetzt will ich dannwieder in die Berge.



Mittwoch, 5. Juli 2023

Countdown

unterwegs

hoch, hoch, hoch....

mal wieder Yaks


der Song Köl

 Meine Aufenthaltdauer in Kirgistan ist gleich abgelaufen. Schade ist das. Zum Finale gab es noch zwei Ausflüge zu Bergseen. Zum berühmten und überall angepriessenen Song-Köl, auf 3020 m; da bin ich hinGEFAHREN und war nicht sooo sehr begeistert. Sehr schön, aber nicht umwerfend. Geschlafen wurde mal wieder im Jurten-Camp - davon gibt es da oben reichlich, weil dieser See echt in jedem Reise-Programm vorkommt (Busse-weise direkt aus Bishkek kommen die Gäste..am Abend ist es plötzlich sehr voll in den Camps), ein bisschen durch die Gegend gewandert und am nächsten Nachmittag wieder in die Zivilisation zurück; mit 2 interessanten Stopps bei den "richtigen" Nomaden, die dort um den See leben und ihre Tiere sömmern (Familie und Bekannte von meinem Fahrer). Es gab Tee und Kumus.... 











Wirklich umwerfend war die danach folgende Wanderung zum viel kleineren, einsameren Bergsee Köl-Ukök. 



 Dorthin bin ich geLAUFEN. Am See wollte ich mein Zelt aufschlagen und noch mal die Berge genießen - und, natürlich, es kam alles ganz anders. Weil es unterwegs zu regnen begann, und auch gleich ordentlich. Aber genau da tuckerte ein klapperiger PKW die Piste hinauf und nahm mich mit. Und so landete ich nämlich auf der "kirgisischen Alp" bei Eldiar und seiner Familie. Was für ein mega Erlebnis ! Eine mini Hütte, die eigentlich eher abbruchreif aussah, darin ein Ofen, Matten, ein kleiner, niedriger Tisch und der Platz reichte für 9 Leute und auch für mich. Erst wollte ich nur den Regen aussitzen. Wir tranken Tee und versuchten uns in einer Unterhaltung. Und letztlich fragte ich, ob ich vielleicht auch bei ihnen übernachten könnte und ich würde dafür gern melken helfen und wenn möglich, gern auch mal versuchen, ein Pferd zu melken. Gesagt, getan. Mittendrin hörte der Regen auf und ich flitzte mal schnell das letzte Stück zum See, damit ich den auch gesehen habe (und half dort eine Jurte fertig mitaufzubauen, bevor es wieder regnet :-)) und war pünktlich zum melken zurück an der Hütte. Und nachdem die Handvoll Kühe erledigt waren, wurde mir gezeigt, wie man ein Pferd melkt und dann durfte ich ! Cool ! Nun habe ich das auch mal gemacht.  Kumus, die fermentierte Stutenmilch, stand bei dieser Familie natürlich immer mit auf dem Tisch. Da gewöhnt man sich so langsam auch dran. Und danach gab es Essen, Plov - Reis mit Fleisch. Hinterher wurde die Hütte "umgesstaltet" zum Schlafzimmer - aber nur für die Frauen und Kinder. Die 3 männlichen Anwesenden schliefen draußen in einem Zelt. Ich habe herrlich geschlafen - und auch das Morgen-Melken verpennt. Nach dem Frühstück und endlosen Verabschieden, musste ich  noch mal zum See schauen (1 Stunde weiter oben am Weg) und den Anblick genießen, dann trat ich den langen Rückweg an. DAS war nun echt ein stilvolles, großartiges letztes Erlebnis hier im Land !!! Sehr schön. Dann nun auf zu anderen Abenteuern !

Und bei all den Bildern die ich da so nebenher machte, kann ich mich natürlich nun nicht entscheiden und deshalb gibt es einfach viele:

zunächst erst einmal viele Kilometer nach oben



ein Anblich wie gar nicht echt...














und dann der lange Weg wieder runter




Samstag, 17. Juni 2023

Kühe, Kirgisen & Kuurdag

 


Was für prallgefüllte, ereignis- und arbeitsreiche Tage - fühlt sich schon viel länger an als eine Woche… In der Mitte von nix, an einem kleinen Teich auf dem Bauernhof, mit vielen Kühen, noch mehr Truthähnen und Schafen (nur eine Handvoll, der Rest weidet irgendwo oben in den Bergen über den Sommer) & mit kirgisischer Großfamilie in 3 Generationen. Zuallererst haben wir natürlich oft ein Kommunikationsproblem. Mein Russisch ist ja eher Rumgestottere (und kirgisisch gar nix außer Danke) und oft kenne ich halt gerade das Wort, auf das es im Moment ankäme, nicht (in welchem Sprachkurs lernt man schon all die für einen Bauernhof wichtigen Wörter) – hier bekomme ich nun gerade einen Extrem-Kurs, Englisch kann einer der drei Brüder relativ gut (er war aber die ersten Tage gar nicht da), einer ein bisschen und der, der die Hauptarbeit macht, gar nicht. Der Mitarbeiter auch nicht. Die älteren Kinder lernen englisch in der Schule, das hilft auch manchmal etwas weiter. Aber wir geben uns alle MÜHE ! So reihen wir lustig Wörter aneinander (Grammatik wird völlig überbewertet J) und ergänzen das Ganze mit Händen und Füßen  in der Hoffnung, dass der jeweils andere den Sinn erahnen kann – und es kommt mir natürlich zugute, dass ich ja schon weiß, was man mit Kühen so zu tun hat den ganzen Tag lang. So funktioniert es dann schon irgendwie und nun, nach ein paar Tagen, hab ich mir einfach meine festen Aufgaben gesucht. 




Ich war ja nun schon länger nicht auf nem Viehbetrieb, wo man früh zum melken rausmusste, hatte fast vergessen, wie lang so ein Tag dann ist...

Manchen Sachen stehe ich schier verständnislos gegenüber, weil man das bei uns so nie machen würde. Insbesondere beim Melken zuzuschauen gruselt mich öfter. Das steht schon in krassem Widerspruch zu allem, was ich bei Heiner im Schwarzwald über sachgemäßes, hygienisches Maschine-melken von Kühen gelernt hab. Ich werde auch manchmal verwundert beäugt, wenn ich mit den dicken Damen rede und ganz anders mit ihnen umgehe als hier üblich (ich finde, man braucht wirklich keine Peitsche und muss nicht die ganze Herde in Panik versetzten, nur weil man zwei Kühe davon melken will). Das betrifft nur die neue, deutsche Herde - Simmentaler Kühe, sie sind erst seit 2 Monaten hier & sicher auch oft verwundert, was die Zweibeiner so wollen, für die Tiere ist ja auch alles neu hier. Sie waren 10 Tage auf einem Transport hierher. DAS will ich mir auch nicht näher vorstellen. Eine Kuh ist unterwegs gestorben... Die zweite, russische Herde latscht sowieso einfach auf ihre Plätze, aus purer Gewohnheit.

Nebenbei verhätschle ich die kranken Kälber und die beiden Ketten-Hunde, ja zwei diesmal und auch diesmal sehr traurig zu sehen. Wir sind natürlich vom ersten Tage an Freunde. Sie sind glücklicherweise nicht aggressiv. Die Frauen würden hier normalerweise nicht bei den Kühen helfen, sie kümmern sich um die Masse der Truthähne in allen Altersgruppen, den halben Tag lang können die großen draußen rumwuseln. Und das ist echt ein großes Gewusel ! Auch ein paar Enten wackeln fröhlich durch die Gegend oder schwimmen im Teich rum. Pferde gibt es ebenfalls. Und ein paar Katzen. Und eine kleine Apfelplantage, der dieses Jahr alle Blüten erfroren sind. Außerhalb vom Hof ist es total leise wie ich gestern beim ersten Spaziergang (nach 5 Tagen J) festgestellt habe – nur Insekten, Wind, Vögel und sonst überhaupt nichts.



Besuch aus dem Dorf, deutsche Kühe angucken

die russischen Kühe :-)


die mega Aussicht gegenüber

Großmutter Rosa und Töchter und manchmal auch die Enkelinnen sind den ganzen Tag am waschen, kochen, putzen… insbesondere beim Kochen gibt man sich Mühe wie verrückt, um mir die ganze Vielfalt der kirgisischen Küche zu zeigen. Und ich versuche mir all diese Namen der Gerichte zu merken – Lagman z.B. (Nudeln mit Fleisch) oder Kuurdag (Kartoffeln mit Fleisch) oder Plov (Reis mit Fleisch) oder auch mal russischen Borschtsch (Rote-Beete-Eintopf mit Fleisch), morgen für den Sonntag wurde Beshbermag angekündigt ( und Hausmusik !), das kirgisische Nationalgericht (andere Nudeln mit Fleisch) - Besuch wird erwartet… wie man sieht, kein Land für Vegetarier hier ! Gerade wurde ein Hammel geschlachtet für das Essen morgen. Aber Salat gibt es meist auch dazu. Bloß gut… Heute gab es Plov auch zum Frühstück…. Glücklicherweise gibt es da normalerweise Kascha (einen Getreidebrei, ähnlich wie Porridge) und natürlich den ganzen Tag lang literweise Tschai/ Tee, wie überall hier.

In all dem Trubel sitzt der Großvater meist still und leise in einer schattigen Ecke und verfolgt stundenlang Schach-Turniere am Telefon J

Zu all dem so eine sympathische, fröhlich-vergnügte Stimmung – ich fühle mich sehr wohl hier, trotz so mancher Dinge mit den Tieren, die mir gar nicht gafallen. Beim Essen werden mir dann oft Löcher in der Bauch gefragt, über das Leben in Dtl./ Europa und über meine Reisen und wie das auf anderen Höfen so ist. Ich lasse mir im Gegenzug das Leben hier im Land erklären. Genau so soll es bei den Voluntärsplätzen sein, ein Kultur-Austausch und nicht einfach ne extra Arbeitskraft.  Und heute morgen hieß es nun schon, ich soll unbedingt wieder vorbei kommen, wenn ich mal wieder im Land bin - ich habe doch jetzt Freunde hier ! Aber noch bin ich ja hier … ein paar Tage noch. So, und nun mach ich mal wieder was ! Euch allen ein schönes Wochenende derweil !